Nächste Woche steht sie wieder an: die „Allianz Gebetswoche“.

Wer davon noch nichts gehört haben sollte: Die Allianzsgebetswoche ist eine von der Evangelischen Allianz initiierte weltweite Woche des Gebets evangelischer Christen. (Quelle: wikipedia)

Was ist das?

In jeder zweiten kompletten Woche des Januars treffen sich die teilnehmenden Christen täglich in einer anderen Gemeinde zu einer Andacht und (natürlich) zum Gebet.

Was soll dieses Beten eigentlich? Warum spricht man man mit einem unsichtbaren Wesen? Bringt das denn etwas? Und wenn ja, was?

Solche oder ähnliche Fragen habe ich schon öfter gehört und mir auch selbst gestellt. Ist Gebet (aus rein psychologischer Sicht) nicht nur ein intensives Selbstgespräch, in dem ich mir „etwas vormache“?

Nun, ich bin kein Theologe. Auch habe ich dieses Thema nicht studiert oder würde mich als fach- und/oder sachkundig bezeichnen. Ich bin einfach ein Christ, bei dem Gebet einfach dazu gehört. Jesus sagte uns, wir sollen und dürfen zum Vater beten und alles vor ihn bringen. Was uns bewegt, was uns ärgert, was uns freut, was uns ängstigt. Alles. Wir dürfen ihm alles sagen. Und wir dürfen bitten. Ebenfalls um Alles.

„Oh, toll! Dann ist der nächste Lottojackpot meiner!“, höre schon den einen oder anderen rufen.

Tja, wenn das so einfach wäre. Da kommt mir das alte Bild wieder in den Sinn. Jesus als „Wunschautomat“. Gebet oben rein, Wunscherfüllung unten raus. – Klappt (zum Glück) aber nicht.

Wäre auch schlimm, wenn alle meine Wünsche in Erfüllung gingen. In sofern ist es besser, wenn nur die in Erfüllung gehen, zu denen mein Vater im Himmel auch „Ja“ sagt. Denn er allein weiß, was wirklich gut für mich ist. Und das ist auch gut so!

Wer eigene Kinder hat, wird es ja wissen: Kinder haben ständig neue Wünsche. Aber als verantwortungsbewußte Eltern fragen wir uns immer, ob dieser Wunsch der Entwicklung meines Kindes dienlich sein könnte. Und auch, was dieser Wunsch mit meinem Kind machen könnte. Aber auch: ist dieser Wunsch überhaupt erfüllbar? Ich denke da an das berühmte „Pony“…. in einer 4 Zimmer Etagenwohnung….

So wie wir verantwortungsbewußt mit den Wünschen unserer Kinder umgehen, so geht auch unser himmlischer Vater mit unseren Wünschen um. Er weiß, was gut für uns ist. Und er hat – gegenüber uns – einen großen Vorteil: er ist in der Lage, noch wesentlich weiter über unsere Wünsche und deren Folgen hinauszusehen. Er weiß z.B. was der Lottojackpot mit unserem Charakter auf Dauer anstellen würde. Oder mit welchem Leichtsinn wir vielleicht mit dem neuen Motorrad durch die Gegend heizen würden. Er sieht einfach weiter.

Warum soll ich dann überhaupt beten? Wenn Gott ohnehin macht, was er will?

Nicht ganz zu Ende gedacht, lieber Leser. (Und liebe Leserin. – Gewöhnt euch einfach daran, ich mache dieses Gendergedöns nicht mit. Es gibt nun mal Worte mit maskulinem und Worte mit femininem Wortstamm. So benutze ich sie. Das hat nichts mit Diskriminierung zu tun. Punkt.)

Nochmal: Nicht ganz zu Ende gedacht, lieber Leser. Würde uns Gott ständig Dinge „schenken“, um die wir ihn nicht gebeten hätten, dann wäre das sehr schnell äußerst nervig, kann ich mir vorstellen. Um es vielleicht auf das Bild mit unseren Kindern zurückzubringen: wenn wir unseren Kindern ständig unverlangte Geschenke machten oder von unserem Partner andauernd unverlangte Präsente bekämen, wäre das sicher eine Weile ganz lustig und nett. Aber ich glaube, schon nach relativ kurzer Zeit würde es langweilig und nervig. Wo soll man mit dem ganzem Kram denn hin? Man hat ja dann auch irgendwie Verantwortung für diese Geschenke. Und wenn man nur einen Platz in der Wohnung oder sonstwo für sie haben muss. – Also ich fände so etwas nicht schön.

Ich schätze Gott ebenso ein. Was wir nicht wollen, das wird er uns auch nicht geben, wenn nicht gerade seinerseits ein dringendes Erfordernis dafür spricht.

Und je mehr wir um Dinge bitten – sei es nun im „realen Leben“ oder im  Gebet – desto klarer wird für Wünscher und Schenker, ob der Wünschende diese Sache auch „wirklich“ haben möchte oder ob das Ganze nur eine flotte Idee ist, die nach drei Tagen wieder vom Tisch ist. Wer aber immer wieder den selben Wunsch äußert, zeigt damit auch seine tiefe Sehnsucht danach an. So ist dann auch davon auszugehen, dass dieses Geschenk nach dem Erhalt entsprechend dankbar gewürdigt, pfleglich behandelt und benutzt werden wird.

Darum glaube ich, dass Gott im Gebet unser Herz prüft, ob wir es wirklich ernst mit unseren Anliegen meinen. Wie leicht plappernd wir etwas dahin und äußern Wünsche, die so schnell verpuffen, wie sie aufgetaucht sind.

Das wiederholte Gebet prüft aber auch uns als Beter. Wollen wir das Erbetene auch wirklich aus ganzem Herzen? Es geht beim Gebet ja nicht ausschließlich um materielle Dinge. Es geht ebenso um Gebet (Bitten) für andere Menschen, um geist(l)iche Gaben oder Wegweisung für unser oder anderer Leben.

Ja, auch das unterscheidet Gott von einem Wunschautomaten. Es kommt nicht immer etwas „Greifbares“ dabei heraus. Sondern es geschehen auch Dinge. Wunder, Heilungen, Wegweisungen.

Sehe ich wieder skeptische Augenbrauen bei dir?

Es ist – und jetzt spreche ich aus Erfahrung – tatsächlich so, dass Gebet etwas bewirkt. Wer sich (noch) nie darauf eingelassen hat, wird das sicher schwer nachvollziehen können. Ich setze mich hin und rede, ob laut oder in Gedanken, mit dem Schöpfer des Universum und dann geschieht etwas. Schwer vorstellbar, oder?

Klappt aber.

Das wird uns schon in der Bibel gesagt und wer es ausprobiert, wird es erleben. Aber man muss es eben tun.

Und dazu soll die Allianzgebetswoche anregen und „anstiften“: beten!

Dabei geht es in der Gebetswoche aber erfreulichweise mal ganz bewußt nicht um Gebet für die eigene Tasche, wie es zuhause im stillen Kämmerlein oft der Fall ist. (Ich spreche jetzt natürlich nur von mir!! 🙂 ) Nein es geht in der Allianzgebetswoche ganz bewußt um das Gebet, das aus meinem eigenen Dunstkreis hinausgeht, das sich ganz bewußt für Andere einsetzt. Für meinen Nächsten. Für Unterdrückte und Verfolgte. Für Stadt, Land, Regierung. Für die Welt.

Das gemeinsame Gebet lenkt den Blick weg mir weg. Gerade zum Jahresanfang, den wir häufig mit guten Vorsätzen für uns selbst zupflastern, ist es ein gutes Mittel, den Blick nicht zu sehr auf sich selbst zu richten.

Wer noch nie mit dabei war, sollte ruhig einmal hingehen. Und da die Abende, zumindest hier in Wolfsburg, immer in einer anderen Gemeinde stattfinden, lernt man ganz nebenbei auch diese mal kennen. Wer weiß, was sich daraus entwicklen könnte?

Außerdem braucht niemand Angst zu haben, schräg angeschaut zu werden, weil man vielleicht nicht zu den „lauten“ Betern gehört. Gott hört auch leise Gebete. Gott hört auch kurze Gebete ohne viel Brimborium oder gar Herumgeschwafel. Bei Gott darfst du auf den Punkt kommen. Aber wer es lieber hat, Gott in den höchsten Tönen zu loben und scheinbar kein Ende findet, darf dies auch tun. Man kann Gott gar nicht „zuviel“ Loben und Preisen.

Na dann: Allianzgebetswoche 2017. – Ist das etwas für dich?

Bis demnächst

Andreas

 

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