Konservativ. Warum das gut ist.

Der Titel sprach mich ja grundsätzlich schon einmal an, da ich auch zu den “Konservativen” gehöre. Allerdings zu den “guten” Konservativen. 😉

Warum ich an dieser Stelle unterscheide?

Es gibt einen – wie ich finde – “schlechten” Konservatismus, der sagt (im Großen und Ganzen): “Das Neue ist alles Quatsch! Wir müssen am Alten festhalten!”

Und es gibt den eben erwähnten “guten” Konservatismus, der sagt: “Dinge, die sich bewährt haben, sollte man so lange beibehalten, bis etwas Neues sich als besser erweist.”

Der Unterschied ist klar?

Der “schlechte” Konservatismus wird sich nicht weiterentwickeln und immer auf der Stelle treten, sich grundsätzlich jeder Neuerung widersetzen und diese vielleicht sogar bekämpfen.

Der “gute” Konservatismus geht hier mit viel mehr Köpfchen dran. Wer aus der EDV oder der Prozessanalyse kommt wird den Spruch kennen: “Never change a running system!” – Verändere nie ein funktionierendes System. 
Das ist ja völlig korrekt. Ein System funktioniert? Dann lass es laufen. Du ersparst dir viel unnötige Arbeit.

Randbemerkung: Ich halte die Natur auch für ein “running system”. Doch wir Menschen glauben immer etwas daran “verbessern” zu müssen. Flüsse stauen, Gene verändern, neue Züchtungen erzeugen usw. Nicht immer geht das gut aus. – Aber ich schweife ab.

Manchen wird das Buch u. U. vom Rückentext her abschrecken, weil er dort das Wort “AfD” liest. Aber keine Angst. Das ist 1. nicht schlimm und hat 2. hat es keinen Einfluss auf die Kernaussage des Buches. Mal abgesehen davon, dass man ein wenig hinter die Kulissen dieser neuen Partei schauen kann.

Der Leser erfährt, was die Autorin unter Konservatismus versteht, warum sie ihn verteidigt und warum sie, auch als Christin, in der Parteienlandschaft keine mehr sah, die den von mir so genannten “guten” Konservatismus lebt und verteidigt. Das ist u. a. ein wesentlicher Grund dafür, dass sich die AfD in ihrer “Lucke-Phase” überhaupt erst gegründet hatte. Damit stand sie als konservativ-liberale Kraft erst einmal allein auf der weiten politischen Flur Deutschlands.

Anette Schultner beschreibt in ihrem Buch ihren politischen Werdegang von der Jungen Union über die CDU, die CSU zur AfD und wieder aus der AfD heraus.

Das Ganze liest sich glaubwürdig, fundiert und wirkt mit Leidenschaft geschrieben. Es beschreibt meines Erachtens nach eine echte Lücke im politischen Spektrum der deutschen Politik, die zu lange von den sog. etablierten Parteien vernachlässigt wurde und die jetzt von der AfD gefüllt werden möchte.

Ob diese Partei das nun gut oder schlecht macht, davon kann sich jeder selbst ein Bild machen. So wie vom Handeln, Reden und Tun jeder anderen Partei auch. Man kann die AfD mögen oder man kann sie hassen. Aber sie ist derzeit eine legitimiert in den deutschen Bundestag gewählte Partei, die man allein deswegen schon nicht ignorieren kann, weil hinter ihr fast 6 Millionen Wahlberechtigte stehen. Das ist kein Pappenstil! (also wenn ich richtig gerechnet habe hatten wir 61,5 Mio. Wahlberechtigte, Wahlbeteiligung 76,2%, AfD Stimmen 12,6 %: macht 5,9 Mio. Stimmen)

Anette Schultners Buch ist für jeden politisch interessierten empfehlenswert, der sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen möchte oder einfach auch mal einen Blick “hinter die Kulissen” der AfD tun möchte.

Bis demnächst

Andreas

Konservativ. Warum das gut ist.
Schultner, Anette
Sachbuch
SCM Hänssler
April 2018
Gebunden
192

Konservativ. Einst in den Medien und Parteien gut vertreten und salonfähig, doch nun? Kaum jemand traut sich noch, sich so zu nennen, weil eine politische Heimat fehlt.
Anette Schultner ist offen christlich-konservativ. Nun äußert sich die ehemalige AfD-Politikerin und Ex-Chefin der Christen in der AfD (ChrAfD) erstmals umfassend über ihr politisches Ringen und ihren Parteiaustritt. Ehrlich fragt sie, wer eigentlich noch politisch konservative Werte vertritt und fordert dazu auf, selbstbewusst für diese Werte zu stehen und in Politik und Gesellschaft Standpunkte zu beziehen.

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